Die richtige Kugel

Die Frage die sich jeder Boulespieler irgendwann stellt. Welche Kugel ist die richtige für mich?

Kugeln für den Turniersport
Wer an Wettkämpfen teilnehmen will, benötigt Kugeln die eine Zulassung für den Turniersport haben.
Diese Wettkampfkugeln müssen nachfolgende Informationen auf der Kugel lesbar eingraviert haben.
> Marke oder Hersteller Logo
> Gewicht der Kugel
> Seriennummer


Vorgaben für Wettkampfkugeln
> Material: Metall
> Füllung: keine, müssen innen hohl sein
> Härte: min. 35HRC (110Kg/mm²)
> Gewicht: 650g - 800g
> Durchmesser: 7,05cm - 8,00cm

Liste aller zugelassenen Wettkampfkugeln: hier geht es zur Liste
(Quelle: Deutscher Petanque Verband)


Spiel Position im Team
Für die richtige Kugelwahl ist die Spiel Position im Team entscheidend. Was sind meine Stärken, bin ich der Leger, der für die Punkte sorgt oder bin ich der Schießer, der die generischen Kugeln aus dem Spiel entfernt. Dann gibt es im Triplette noch die Mittelposition, die sowohl Schießen als auch das Legen erfordert.

Für die passende Kugel zur Spielposition gibt es unterschiedliche Argumente die sich mit Größe, Gewicht und Härte beschäftigen.
Nachfolgend eine Zusammenstellung für die jeweilige Spielposition. Es handelt sich hierbei um Richtwerte.

Position
Durchmesser
Gewicht 
Härte
Argumente
Leger
72mm
710- 730g
hart 
(42-46HRC)
> Kleiner Durchmesser wird schwerer getroffen, stimmt nur bedingt. Ein guter Schießer trifft auch kleine Kugeln
> Gewicht eher hoch, Laufverhalten bei unterschiedlichen Böden identisch, schwere Kugeln werden durch Steine weniger abgelenkt
Mitte
73- 74mm
700- 710g
mittel weich
(38-42HRC)
> Durchmesser eher wie beim Leger, da die Mittelposition häufiger Legen als Schießen muss
> Gewicht eher wie beim Leger
> Mittel weich, ideal wenn man Legen und Schießen muss
Schießer
75- 76mm
690- 700g
weich 
(35HRC)
> Großer Durchmesser liegt nicht so tief in der Hand und kann daher die Hand beim Wurf leichter verlassen 
> Gewicht niedriger, da schwere Kugeln mehr Wurfkraft benötigen und sich bei einem langen Spieltag negativ auswirken können
> eher weich, reduzierter Reboundeffekt, heißt die Kugel prallt nicht so weit ab



Schritt für Schritt zur passenden Kugel
Nachfolgend eine gute Vorgehensweise um sich die richtige Kugel auszuwählen.


1. Schritt - Die richtige Kugelgröße
Die richtige Kugelgröße, ist das allerwichtigste Kriterium für die Auswahl deiner Kugel. Unabhängig von etwaigen Richtwerten, die Kugel muss zu deiner Hand passen. Bei der Auswahl der Kugeln sollte man zunächst darauf achten, dass die Kugel gut in der Hand liegt, d.h. Größe der Handfläche und Länge der Finger spielen eine Rolle.

Länge der Finger
Die nachfolgende Tabelle zeigt den Zusammenhang der Fingerlänge und dem Kugeldurchmesser.
Gemessen wird von der Handwurzel bis zur Spitze des Mittelfingers.




Eine Kugel liegt gut in der Hand, wenn die Fingerkuppen deiner geschlossenen Hand ein wenig über den größten Durchmesser (Äquator) hinausgehen. Die Kugel soll nicht zu tief in der Handfläche liegen, da sie vor allem durch die Finger gehalten wird. 


(Bildquelle: Boule spielen)


Breite Handinnenfläche
Ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt ist die Breite deiner Handinnenfläche ohne Daumen. Die Kugel sollte nicht größer sein als
deine Handinnenfläche. Wähle die Kugel maximal so groß, dass sie mit der Handinnenfläche abschließt und den seitlich angelegten Daumen nicht berührt.
Wenn diese beiden Kriterien von einer Kugel erfüllt werden und die Kugel sich in deiner Hand gut anfühlt, hast du den wichtigsten Schritt hinter dich gebracht. 
 
Tip: Frag deine Mitspieler im Klub ob du deren Boulekugeln mit ein paar Probeschwüngen testen darfst. Da sind in der Regel ausreichend Varianten vorhanden um die richtige Größe für dich zu finden.


2. Schritt - Das richtige Gewicht

Bei der Auswahl des Kugelgewichtes geht es vor allem um deine körperliche Verfassung und deine Technik beim Spiel. Eine zu schwere Kugel kann an einem langen Turniertag mit vielen Spielen zur echten Belastung werden. 
Eine gute Methode ist folgende.
Nimm die Kugel in die Hand, strecke Zeige- und kleinen Finger aus, so dass die Kugel nur noch von Mittel- und Ringfinger gehalten wird. Drehe jetzt deine Hand so, dass die Kugel gehalten von den beiden Fingern zum Boden zeigt. Wenn du jetzt das Gefühl hast, die Kugel rutscht dir gleich aus den Fingern, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Kugel zu schwer ist. Du solltest bei diesem Test ein gutes Gefühl haben und die Kugel sicher halten können, dann passt das Gewicht.

Tip: Tendenziell neigt man zu schwereren Kugeln, weil man denkt damit
die größte Wirkung beim Schießen erzeugen zu können.
Denkfehler, das saubere Treffen erzeugt beim Schießen das beste Ergebnis und die größte Wirkung!
 
3. Schritt - Material/Stahl Auswahl
Beim Material kann man zwischen Karbonstahl Kugeln und Inox Kugeln wählen. 
 
Karbon Kugeln können legierungsbedingt Rost ansetzen, der sich aber beim regelmäßigen Spielen abarbeitet. Dieses anrosten kann aber auch gewollt sein, weil die Kugel dadurch rau wird und an Grip gewinnt. Wer Effet oder Backspin als Varianten im Spiel einbaut, der ist mit einer Karbonkugel gut bedient. Karbonkugeln verändern ihre Farbe und werden dunkler. Karbonkugeln müssen gepflegt werden. Nach dem Spielen bei Nässe sollten sie dringend abgetrocknet werden, sonst erlebt man sein "rotes" Wunder. 
 
Inox Kugeln bestehen aus nichtrostendem Stahl. Die Oberfläche ist hellglänzend. Sie haben eine glatte Haptik.
Hinweis! Inox Kugeln sind nicht magnetisch. Die Verwendung von Magneten zum Aufheben der Kugel ist nicht möglich. 
 
 
4. Schritt - Kugelhärte
Die Kugelhärte beeinflusst die Elastizität der Kugel, sagt also etwas darüber aus, wie stark sie nach dem Aufprall springt. Wie in der Übersichtstabelle weiter oben beschrieben, gibt es die drei Härtegrade:  hart, mittel weich, weich.
Für Anfänger macht eine Kugel mit der Härte mittel weich sicher am meisten Sinn. Man kann damit Legen und Schießen. Wenn man sich zu einem späteren Zeitpunkt für seine Spielposition entschieden hat kann man dann immer noch die am besten passende Kugelhärte kaufen. 
Die Erfahrung zeigt, dass zwei Drittel der Boulespieler mit der Härte mittel weich spielen. Das ist dem Spiel geschuldet, da im Verlauf des Spieles oft das Legen und Schießen erforderlich ist.
Besonders weiche Kugeln werden meistens nur von spezialisierten Schießern verwendet. Diese Kugeln bleiben nach einen Treffer besser liegen und führen somit zu einer besseren „Carreau-Quote“
 
 
5. Schritt  - Kugel Muster/ Riffelung
Die Musterung hilft nicht nur, verschiedene Kugelsätze voneinander zu unterscheiden, sondern hat auch funktionale Auswirkungen. 
Glatte Kugeln oder Kugeln mit wenigen Linien gleiten leichter aus der Hand.
Stärker gemusterte Kugeln haben mehr Griffigkeit und können daher beim Ausgleiten aus der Hand besser geführt werden. Manche Leger schwören auf eine größt mögliche Riffelung, da diese Kugeln mehr Grip beim Aufprall auf den Boden erzeugen und dadurch besser den Backspin oder Effet annehmen.
 
Bewiesen sind beide Thesen nicht, aber beim Boule spielt Gefühl und der Kopf eine große Rolle.   
 
(Beispiel für unterschiedliche Muster und Farben)

6. Schritt - Qualität und Kosten
Ein 3er Set Boule Wettkampfkugeln gibt es in einer Preisrange von 95€ (Einsteiger Modell) bis zum Preis von 320€ (Top Model). Der Preis der Kugeln hängt vor allem von der Qualität, der Stahllegierung und dem Herstellprozess der Kugel ab. Topmodelle bestehen in der Regel aus Inox Stahl und werden in einem komplexen Prozess hergestellt was sich auf den Preis auswirkt. Für Top Modelle werden enge Parameter eingehalten, damit alle drei Kugeln eines Sets sich genau gleich anfühlen und spielen lassen.
 
 
Karbon Kugel Lagerung und Pflege
Zum Abschluss noch ein paar Hinweise zu Lagerung und Pflege von Karbon Kugeln

> Kugeln nicht im Kofferraum liegen lassen, Temperaturschwankungen können Flugrostbildung beschleunigen
> Am besten lagert man die Kugeln im Innenbereich an einem trockenen Ort
> Falls die Kugeln beim Spielen Feuchtigkeit ausgesetzt waren dann vor dem Lagern trockenreiben
> Regelmäßig Pflegeöl verwenden. Die Kugeln werden dabei mit einem Schutzfilm überzogen, der Flugrost verhindert

Sollten Karbon Kugeln Flugrost ansetzen, kein Grund zur Panik. Einfach ein bisschen boulen und der Rost wird abgetragen.
Danach einölen und das Thema ist erledigt.

 
Abschließender Tip
Für Anfänger macht es Sinn sich zunächst gute Einsteiger Kugeln zu kaufen. Das kann der gebrauchte Satz eines Mitspielers sein, oder man kauft sich gebrauchte Wettkampfkugeln im Internet. Ein 3er Set gebrauchte Wettkampfkugeln gibt es ab 50€. 
Wer unterschiedliche Modelle testen will, sollte sich an seine Mannschaftsspieler wenden. Die meisten haben den Prozess hin zur richtigen Kugel bereits durchlaufen und in der Regel unterschiedlichste Kugel Sets erworben. Diese Sets warten gut gelagert auf einen Tester. Wenn man genügend Kugeln getestet und seine Spielposition gefunden hat, ist ein guter Zeitpunkt gekommen um sich sein individuelles Kugel Set zu gönnen.